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Bestandshaus aus Backstein mit modernem Anbau in dunkler Holzverkleidung

Anbau ans Haus: Kosten pro Quadratmeter 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Wohnanbau kostet am Markt grob 1.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter, schlüsselfertige und kleine Anbauten liegen oft deutlich darüber.
  • Je kleiner der Anbau, desto teurer der Quadratmeter: Fundament, Dach und Anschluss an den Bestand fallen auch bei 20 Quadratmetern an.
  • Der Anschluss an das bestehende Haus wird in Preisangaben oft nicht mitgerechnet und macht leicht 15 bis 20 Prozent der Baukosten aus.
  • In Bayern ist ein Anbau mit Wohnräumen in aller Regel genehmigungspflichtig oder braucht eine Genehmigungsfreistellung. Abstandsflächen und Bebauungsplan entscheiden, was geht.
  • Energetische Maßnahmen an einem beheizten Anbau sind über die BEG als Sanierung förderfähig, ein Antrag ist vor Baubeginn zu stellen.
Ein Anbau ist für viele Eigentümer die naheliegende Lösung, wenn das Haus zu klein wird: ein zusätzliches Zimmer, eine größere Küche, eine Einliegerwohnung für die Eltern. Die erste Frage ist fast immer die nach den Kosten. Die ehrliche Antwort lautet, dass ein Quadratmeterpreis allein wenig sagt, weil der teuerste Teil eines Anbaus oft nicht im Anbau selbst liegt, sondern an der Stelle, an der er das Bestandshaus berührt.
Dieser Beitrag ordnet die Kosten nach Bauweise und Größe, zeigt die Posten, die in Angeboten gern fehlen, und erklärt, was die Bayerische Bauordnung verlangt. Alle Preise sind Marktspannen aus dem Jahr 2026, den Ausschlag gibt Ihr Grundstück und Ihr Haus.

Was kostet ein Anbau pro Quadratmeter?

Die meisten Quellen nennen für einen Wohnanbau eine Spanne von etwa 1.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Aufwendige Lösungen mit Keller, großen Glasflächen oder hochwertiger Ausstattung erreichen 4.000 Euro und mehr. Wichtig ist, was in der Zahl steckt: Manche Angaben meinen den Rohbau, andere den schlüsselfertigen Anbau, fast keine den Anschluss an das Bestandshaus.
  1. Holzbau, Holzrahmen oder Holzständer: etwa 1.500 bis 2.500 Euro pro Quadratmeter. Kurze Bauzeit, wenig Feuchtigkeit im Bestand, gut geeignet, wenn das Fundament knapp bemessen ist.
  2. Fertiganbau oder Modul: etwa 1.700 bis 2.800 Euro pro Quadratmeter. Der Preisvorteil gegenüber dem Massivbau ist beim Anbau kleiner als beim Neubau, weil der Anschluss an das Bestandshaus individuell geplant werden muss.
  3. Massivbau: etwa 2.000 bis 3.500 Euro pro Quadratmeter schlüsselfertig. Passt zu einem massiven Bestandshaus und bietet guten Schallschutz und Speichermasse.
Hinzu kommt die allgemeine Preisentwicklung: Laut Statistischem Bundesamt lagen die Baupreise für Wohngebäude im August 2026 rund 5,5 Prozent über dem Vorjahr.

Warum kleine Anbauten pro Quadratmeter teurer sind

Ein Anbau mit 20 Quadratmetern braucht ein Fundament, ein Dach, einen Durchbruch und eine Anbindung an Heizung und Strom, genau wie einer mit 60 Quadratmetern. Diese Fixkosten verteilen sich auf weniger Fläche. Auswertungen von Angeboten zeigen bei schlüsselfertigen Anbauten unter 50 Quadratmetern Medianwerte um 4.000 Euro pro Quadratmeter, bei 100 bis 150 Quadratmetern um 2.700 Euro.
Moderner eingeschossiger Anbau mit Holzverkleidung und großer Glasfront zum Garten

Welche Kosten fehlen in vielen Angeboten?

Der Anschluss an das Bestandshaus. Er wird in Pauschalpreisen häufig ausgeklammert und macht nach Branchenangaben 15 bis 20 Prozent der Baukosten aus, bei einem typischen Einfamilienhausanbau also schnell 15.000 bis 40.000 Euro. Die üblichen Einzelposten:
  • Wanddurchbruch mit statischem Nachweis: etwa 1.500 bis 5.000 Euro je Öffnung.
  • Anschluss von Fundament und Dach an den Bestand: etwa 3.000 bis 10.000 Euro.
  • Erweiterung von Heizung, Sanitär und Elektro: zusammen leicht 8.000 bis 20.000 Euro.
  • Angleichung der Fassade: etwa 2.000 bis 6.000 Euro.
  • Bodengutachten: etwa 1.000 bis 2.500 Euro, bei unklarem Baugrund unverzichtbar.
Dazu kommen Planung, Statik und Genehmigung sowie eine Reserve von 10 bis 15 Prozent für das, was sich erst beim Öffnen der Bestandswand zeigt.

Was kostet die Planung?

Das Architektenhonorar richtet sich nach der HOAI. Für ein Vorhaben mit 200.000 Euro anrechenbaren Kosten in der mittleren Honorarzone liegt das Honorar für alle neun Leistungsphasen bei rund 28.000 bis 35.000 Euro netto, also bei etwa 14 bis 17 Prozent. Ein reiner Anbau gilt nach der HOAI als Erweiterungsbau, ein Umbauzuschlag fällt dann in der Regel nicht an. Werden nur einzelne Leistungen gebraucht, etwa Entwurf und Bauantrag, ist der Anteil entsprechend kleiner.
Die Gebühr für die Baugenehmigung liegt in Bayern bei 1 bis 4 Promille der Baukosten. Nach Fertigstellung misst das Vermessungsamt den Anbau von Amts wegen ein und stellt dafür einen Gebührenbescheid aus.
Anbau im Rohbau mit Gerüst an der Rückseite eines bestehenden Wohnhauses

Brauche ich für einen Anbau eine Baugenehmigung?

In Bayern in aller Regel ja. Ein Anbau mit Aufenthaltsräumen ist eine Änderung des Wohnhauses und fällt nicht unter die verfahrensfreien Vorhaben der Bayerischen Bauordnung. Welches Verfahren gilt, hängt vom Grundstück ab:
  1. Liegt ein qualifizierter Bebauungsplan vor und hält der Anbau ihn ein, kommt die Genehmigungsfreistellung nach Artikel 58 BayBO in Frage. Die Unterlagen gehen an die Gemeinde, gebaut werden darf frühestens einen Monat später.
  2. Ohne passenden Bebauungsplan läuft ein Genehmigungsverfahren. Im Innenbereich muss sich der Anbau nach Paragraph 34 Baugesetzbuch in die Umgebung einfügen.
  3. Bei Unsicherheit klärt eine Bauvoranfrage die entscheidenden Punkte vorab verbindlich.
Die häufigste Hürde sind die Abstandsflächen nach Artikel 6 BayBO: 0,4 der Wandhöhe, mindestens 3 Meter zur Grundstücksgrenze. Grenzbebauung ist nur für Garagen und Nebengebäude ohne Aufenthaltsräume vorgesehen, nicht für ein Wohnzimmer. Ein Bebauungsplan kann zusätzlich Baugrenzen und Grundflächenzahlen festsetzen, die den Anbau begrenzen.

Gibt es Alternativen ohne neues Fundament?

Ja. Der Ausbau des Dachgeschosses zu Wohnzwecken ist in Bayern seit 2025 verfahrensfrei, auch mit Gauben, solange die Dachkonstruktion sonst bleibt. Er muss der Gemeinde zwei Wochen vorher angezeigt werden. Eine Aufstockung schafft ein ganzes Geschoss, ohne Grundstücksfläche zu verbrauchen, ist aber statisch anspruchsvoller. Ein Kaltwintergarten ist günstiger, zählt aber nicht als Wohnfläche im eigentlichen Sinn.

Gibt es Förderung für einen Anbau?

Für die Erweiterungsfläche selbst nicht als Zuschuss, für die energetischen Maßnahmen schon. Nach dem KfW-Infoblatt zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (Stand September 2026) sind energetische Maßnahmen bei der Erweiterung bestehender Wohngebäude, ausdrücklich auch beim beheizten Anbau an ein Einfamilienhaus, als Sanierung förderfähig. Entsteht im Anbau ausschließlich eine neue Wohneinheit, gilt sie dagegen als Neubau.
Für selbst genutzten Wohnraum bietet die BayernLabo ein zinsverbilligtes Darlehen auch für Anbau und Aufstockung, mit Einkommensgrenzen und Antrag vor Baubeginn. Einen Überblick über die Bundesprogramme gibt unser Beitrag zur Förderung für die Sanierung.

Welche energetischen Anforderungen gelten?

Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt für die neuen Außenbauteile eines beheizten Anbaus einen Wärmeschutz, der höchstens das 1,2-Fache des Referenzgebäudes an Wärmeverlust zulässt. Kommen mehr als 50 Quadratmeter zusammenhängende Nutzfläche hinzu, ist zusätzlich der sommerliche Wärmeschutz nachzuweisen. Oft ist der Anbau ein guter Anlass, die Heizung des ganzen Hauses neu zu bewerten, etwa für eine Wärmepumpe im Altbau.

Fazit

Ein Anbau kostet je nach Bauweise und Größe grob 1.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter, kleine und schlüsselfertige Lösungen mehr. Den Unterschied zwischen einem guten und einem teuren Anbau macht selten der Quadratmeterpreis, sondern die Planung des Übergangs zum Bestand, die Klärung von Abstandsflächen und Bebauungsplan und die Frage, welche Förderung vor Baubeginn beantragt wird. Wie wir Erweiterungen und Umbauten an Einfamilienhäusern planen, zeigt unsere Seite zur Sanierung und Erweiterung von Einfamilienhäusern.
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